Digest der Nachrichten aus der Ukraine vom 4.-6. April

Aus der Krim wird über die Erschießung eines ukrainischen Offiziersdurch russische Militärs berichtet. Am Sonnabend wurde im Gebiet Tscherkassy die Leiche Bürgerrechtsaktivisten entdeckt, den die Unbekannten am Vortag entführt hatten. Im Osten der Ukraine könnte «das Krimszenarium» durchgeführt werden –Separatisten begannen mit der Besetzung regionaler Verwaltungsgebäude.

Die Krim

Laut neuesten Angaben erschossen russische Militärangehörige den ukrainischen Offizier auf der Krim. Dies schrieb der Leiter des Zentrums für Forschungen Dmitrij Tymtschuk auf seiner Facebook-Seite. Der Leiter des Krimmedienzentrums des ukrainischen Verteidigungsministeriums, Wladislaw Selesnjow,  bestätigte die Informationen: «Quellen aus Nowofedorowka teilen mit, dass gestern um 22.50 Uhr infolge des Konfliktes zwischen ukrainischen Offizieren und russischen Soldaten Major Stanislaw Karatschewski mit Schüssen aus einem Maschinengewehr getötet wurde. Der Mord geschah im fünften Stockwerk des Wohnheimes, in dem das ukrainische Militärpersonal des Fliegerhorstes von Saky wohnte. die Ermittlungsbehörden der Russischen Föderation fuhren Kapitän Artjom Jarmolenko nach Sewastopol fort. Beide Offiziere haben zwei Kinder. Laut Plan sollten Karatschewski und Jarmolenko am 9. April zur festländischen Ukraine abreisen. Die beiden ukrainischen Offiziere waren unbewaffnet.»

Laut Angaben der Initiative Euromaidan SOS werden zurzeit 5 Menschen auf der Krim vermisst:

1. Alexej Potapow

2. Pjotr Abroskin

3. Iwan Bondarez

4. Walerij Waschtschuk

5. Wassilij Tschernysch (der Aktivist verschwand am 14. März in Sewastopol)

Auf der Krim wurden drei Fans des Fußballvereins "Dneprs" frei gelassen, die zum Spiel in Simferopol gereist waren, um die Mannschaft zu unterstützen. Die Männer wurden während des Spieles am Sonnabend verhaftet, weil man sie  Zugehörigkeit zu einer radikalen Gruppierung verdächtigte. Laut Angaben der Fans nahm man ihnen ihre ukrainischen Pässe ab und untersagte ihnen, ihre Mobiltelefone zu benutzen. Die Informationen über den Zwischenfall wurden vom Fußballverein "Dnepr" bestätigt. Jedoch teilte der Verein mit, dass der Zwischenfall bereits geschlichtet sei und die Fans freigelassen wurden.

Das Netz der rechtlichen Beratungbüros der Krimveröffentlichte eine  Liste mit Telefonnmmern von Hotlines und Diensten, die den Bewohnern helfen. Die Telefonliste kann hier eingesehen werden. .

Das Ministerium für  Sozialpolitik der Ukraine erklärt die Abwesenheit der technischen Möglichkeit nach den Auszahlungen der Renten den Ukrainern in Krim und empfiehlt ihnen, in die Regionen der Ukraine für ihr Erhalten auszufahren.

 

Das Ministerium für Sozialpolitik der Ukraine erklärt, dass es technisch nicht möglich ist, den Ukrainern auf der Krim ihre Renten auszuzahlen. Aus diesem Grund rät man den betroffenen Ukrainern, in die ukrainischen Regionen zu fahren, um dort ihre Rente zu erhalten. Die zuständige Ministerin Ludmila Denissowa erklärte, «die einzige Möglichkeit für die Bewohner der Krim und von Sewastopol, die Rente zu erhalten, ist, in die nahegelegenen Regionen, zum Beispiel nach Cherson, zu fahren, einen Antrag auf Auszahlung der Rente in Cherson zu stellen,  und dort sie zu erhalten.» Nach ihrer Meldung verbrachte einer ihrer Stellvertreter zwei Tage auf der  Krim, jedoch gelang es ihm nicht, sich mit der Lokalbehörde in Verbindung zu setzen.

«Ukrpotschta» (die Post der Ukraine) brach die Aufnahme und die Zustellung von Postsendungen auf die Krim ab. «In Zusammenhang mit der Machtübernahme der Autonomen Republik Krim und der Stadt Sewastopol und der Blockade aller Abteilungen der Postverbindungen des Staatsbetriebes des Postverkehrs der Ukraine "Ukrpotschta" auf dem Territorium der Halbinsel ist der nationale Dienstanbieter vorübergehend erzwungen, die Aufnahme und die Briefzustellung in der Richtung der AR Krim und der Stadt Sewastopol bis zur Regelung der Situation einzustellen».

Laut Angaben des Verteidigungsministeriums der Ukraine kamen schon 1579 Militärangehörige der Streitkräfte, sowie ihre Familienmiglieder, insgesamt 1761 Menschen, dem ukrainischen Festland an. Die Sammel- und Registrierungspunkte für die Militärangehörigen, die aus der Krim ankommen, sind in den Truppenteilen Kiew, Winnyzja, Odessa, Otschakiw und Nikolaew eingerichtet. Außerdem wurden 140 Einheiten Ausrüstung und technische Kampfmittel aus der Krim herausgebracht(einschließlich 41 Panzer und 82 Autos).

Es gibt immer mehr Meldungen darüber, dass die so genannten krimischen Grenzsoldaten die Menschen ausrauben, die die Halbinsel verlassen. Beispielweise nahmen bewaffnete Menschen einem ukrainischen Offizier die Militärdokumente ab, die vorhaben, in der festländischen Ukraine Militärdienst zu leisten. Darüber hinaus nahm man  einem Vertreter einer Pharmafirma 100 000 UAH ab. Er überführte Geldmittel der Firma überführte (das Bargeld mussüberführt werden, weil das System der Banküberweisungen auf der Halbinsel nicht funktioniert). Ein Militärangehöriger der Seestreitkräfte der Ukraine berichtete der Initiative Euromaidan SOS von Durchsuchungen der persönlichen Gegenstände ukrainischer Militärs, die aus Krim ausreisen. Dabei werden ihnen oft Wertsachen abgenommen. Beispielweise nahmen die so genannten Grenzsoldaten den Goldschmuck der Ehefrau eines Militärs an sich und erklärten, dass sie "dem Volk der Krim gehören».

 

Die Ostukraine

Ungeachtet der Reduzierung der Konzentration russischer Truppen an den Grenzen der Ukraine bleibt die Situation in der Region angespannt. In einigen Regionen finden separatistische Kundgebungen zur Unterstützung der Bildung "der Föderation" am Wochenende statt, die Frage der Abspaltung dieser Regionen von der Ukraine wird aufgegriffen. Am Sonntag wurden in einigen Städten die Verwaltungsgebäude besetzt.

Die Karte der Anordnung der russischer Truppen an den Grenzen mit der Ukraine (Stand 4. April) wird von der Webseite «Informativer Widerstand» vorbereitet – sie ist hier zu sehen.

Charkiw

Am Sonntagabend besetzten darüber hinaus 200 Menschen in Masken und Helmen das Gebäude der regionalen Verwaltung. Journalist Slawa Mawritschew teilt mit, dass es sich um Aktivisten des Ukrainischen Östlichen Blocks und die Vertreter anderer russophiler Bewegungen handelt: «Sie sagen – die Hauptaufgabe ist, einen ganzen Tag standzuhalten. Danach wird Unterstützung kommen. Sie warten auf Unterstützung aus Donezk, Lugansk u.a. Sie sind überzeugt, dass morgen die Miliz auf ihre Seite überwechseln wird. Sie organisieren Schutz, führen Wasser und Lebensmittel an... sie versprechen, die Angestellten zum Arbeitsplatz hineinzulassen... was sie verlangen, ist unklar... sie haben ständige Streit... sie sind nur damit einverstanden, dass sie “die Kiewer Behörden, die Banderowzy, nicht anerkennen.”»

Nach den Angaben am Montagmorgen wurde das Verwaltungsgebäude von den Polizisten befreit.

Nach den  sonntäglichen Zusammenstößen zwischen den Aktivisten von Euromaidan und Antimaidan, die im Raum des Charkower  Schewtschenko-Theaters stattfanden, wurde eine Strafsache nach dem Artikel über "das Rowdytum" eingeleitet. Es wird berichtet, dass 15 Anhänger des Euromaidans von den Separatisten geschlagen wurden.

Am 4. März wurde eine Veranstaltung in Charkow beim Konsulat der Russischen Föderation durchgeführt. Die ukrainischen Aktivisten übergaben einen Brief ins Konsulat, in dem sie die Nichteinmischungen in die inneren Angelegenheiten der Ukraine fordern. Die Veranstaltung wurde unter dem Motto «Ukraine ist einig!» «Nein zum Krieg!» durchgeführt.

Die Aktivisten, die sich mit der Versorgung der Truppenteile im Gebiet Charkow beschäftigen, teilen darüber hinaus  mit, dass die Soldaten einfache Haushaltsgegenstände benötigen. Die Aktionsgruppe hilft, die Reparatur der Technik zu organisieren, liefert Ersatzteile und andere Waren (Taschenlampen, Ferngläser u.a.) Die Hilfe wird dank den Spenden der Bürger geleistet - die Aktivisten bekommen keine Hilfe vom Verteidigungsministerium oder der Gebietsverwaltung. Die lokalen Bürgerrechtler bemerken auch die Passivität der Behörde. Manchmal sind die Personaldaten der Aktivisten nach der Festnahme von der Miliz im Internet öffentlich zugänglich. Außerdem wird nichts getan, um die Grenzen des Gebietes Charkiw zu befestigen.

Donezk

Die Teilnehmer der sonntäglichen russophilen Kundgebung versuchten, die Journalisten vom Ort des Geschehens fernzuhalten. Am Mittag begannen die ausgerüsteten Menschen den Sturm des Gebietsverwaltungsgebäudes, der im Endergebnis erfolgreich war. Die Miliz leistete keinen Widerstand - später gab das Presseamt des Innenministeriums die Erklärung ab, dass die Polizisten die Handlungen der russophilen Aktivisten nicht behinderten, «um eine Eskalation des Konflikts zu vermeiden». Zu den Hauptforderungen der Teilnehmer der russophilen Kundgebungen gehört die Durchführung eines Referendums, in dem folgende Fragen aufgeworfen werden sollen: ob Donezk eine Republik werden soll, ob diese "Republik Donezk" unter den föderativen Bedingungen zur Ukraine gehören soll und ob die Ukraine ein föderativer Staat werden soll. Dabei, wie die mobile Gruppe der Initiative Euromaidan SOS mitteilt, wehen am Wochenende ukrainische Flaggen im Stadtzentrum über den Bürogebäuden, den Bildungseinrichtungen und vielen Geschäften und Gaststätten.

In Sewerodonezk mussten sechs Bürger nach Zusammenstößen ärztlich versorgt werden.

Am Vortag griffen russophile Aktivisten die Bürgerrechtlerinnen Alexandra Dworezkaja und Aljona Lunewa an, die nach Donezk ankamen, um der Gesellschaft und den Journalisten von der Situation auf der Krim zu berichten. Alexandra Dworezkaja  erzählte «Einer der russophilen Aktivisten auf dem Leninplatz hat versucht, uns irgendein Bulletin zu überreichen und darum gebeten, es zu unterzeichnen. Er hat gesagt, dass nach dem Referendum alles gut sein wird, worauf ich  geantwortet habe: “Auf der  Krim ist schon alles gut ”. Danach hat der Streit angefangen. Die russophilen Aktivisten haben das ukrainische Band an meiner Tasche bemerkt, dieses Band hat man sogar auf der Krim nicht abgerissen, ich trage es seit Dezember. Aber zu uns sind noch einige junge Männer in Tarnkleidung herangekommen. Sie haben das Band abgerissen und uns bedroht, sie haben gesagt: «Schert euch von hier weg, sonst werdet ihr getötet!» Laut der Meldung der Mädchen zeigte die Miliz keine Initiative zur Regelung des Konfliktes und beobachtete einfach, wie die russophilen Aktivisten ihnen drohten und forderten, ihre Pässe vorzulegen. Aljona Lunewa bemerkte, «Auf der  Krim fing alles mit einer ähnlichen Situation an. Es war zuerst gefährlich, ukrainischen Symbole zu tragen, später waren auch Journalisten betroffen».

Der Sicherheitsdienst der Ukraine im Gebiet Donezk eröffnete Strafverfahren gegen den Ukrainer Robert Doni. Er wird der Mitwirkung an den Massenunruhen in Donezk am 15.-16. März und den Aufruf zur Besetzung  der Verwaltungsgebäude (der Gebäude der Donezker Gebietsverwaltung, der Verwaltung des Sicherheitsdienstes der Ukraine in Gebiet Donezk und der Donezker regionalen Staatsanwaltschaft) verdächtigt.

Lugansk

Die Teilnehmer der russophilen Kundgebungen besetzten das Amtsgebäude des Sicherheitsdienstes der Ukraine. Wie «Ostrow» («Die Insel») berichtet, riefen die demonstrierenden Aktivisten im Sprechchor „Wir wollen nach Russland!“, «Putin wird kommen und Ordnung bringen!» und «Julja auf die Pritsche!» Als die Menschenmenge, unter der sich einige offensichtlich angetrunkene Menschen befanden, gut aufgewärmt war, schrie eine alte Frau auf: «Zum Sturm!» Die Menge begann, die Fenster im Gebäude einzuschlagen und Eier zu werfen. Die Eingangstür wurde ausgebrannt. Ungefähr 30 Personen, die am Sturm und der Ergreifung des Gebäudes  beteiligt waren, befinden sich  zurzeit in Hausarrest. Das erklärte der Stellvertreter des Verwalters der Präsidialadministration der Ukraine Andrej Sentschenko. Er sagte, «Was in Lugansk geschehen ist, ist eine Reaktion auf die Verhaftung von 15 Menschen, bei denen gestern 300 Kalaschnikows und viele andere Waffen beschlagnahmt wurden».

Am Vortag hielt der Sicherheitsdienst der Ukraine im Gebiet Lugansk eine verdeckte Diversionsgruppe auf und entwaffnete sie. Die Erklärung des Sicherheitsdienstes berichtete, „die Gruppe der Kriminellen beabsichtigte, am 10. April die ausgerüstete Machtergreifung im Gebiet Lugansk zu begehen. Infolge der Sonderoperation wurden 15 aktive Teilnehmer der Diversionsgruppe verhaftet, 300 Kalaschnikows, ein  Panzerabwehrgranatwerfer, eine große Zahl an  Granaten, fünf Pistolen, Flaschen mit Zündsatz, Glattrohrwaffen und kalten Waffen wurden beschlagnahmt“. 

Die mobile Gruppe der Initiative Euromaidan SOS teilt mit, dass die Fernsehanbieter in der Stadt Altschewsk des Gebiets Lugansk den ukrainischen Fernsehkanal STB am Sonnabend abschalteten – stattdessen wurde die Kundgebung zur Unterstützung des Separatismus gesendet, die in der Stadt am 5. April durchgeführt wurde.  Anrufe der Ortsbewohner beim Anbieter ("Volia") und zur Hotline von STB blieben unbeantwortet.

 

Der Digest wurde von der öffentlichen Initiative EuromaidanSOS und der Internationalen Plattform “Gesellschaftliche Solidarität” erstellt.